Wenn du dich an einen früheren Mann erinnerst, wirst du dich immer noch verletzen.

Ich habe den Trainingsanzug angezogen und wollte joggen gehen. Leider überfiel mich Machtlosigkeit, vielleicht Sehnsucht? Oder vielleicht meine konservative Denkgewohnheit? Oder alles zugleich. In die Eisen der Ohnmacht gefesselt, legte ich mich für einen Augenblick. Aus dem Schlaf riss mich ein schrecklicher Lärm. Jemand prallte im Treppenhaus von den Wänden ab. Auf den Füßen fühlte ich den Druck der Adidas, die – wie durch einen Wunder – mir nicht für eine Sekunde während des Schlafs störten, aber jetzt mit vielfachem Gewicht fühlbar wurden. Trotz Schmerz schleppte ich den verschlafenen Körper zur Tür.

– Da bist du endlich! Gut, dass Iza mir geöffnet hat, weil ich sonst mit an deine Klingel angeklebtem Finger einfrieren würde – lallte Robert.

– Wie siehst du aus! – schrie ich. – Bewege deinen Arsch!

– Weil du, Prinzessin, so willst? Weil du mir gnädig aufgemacht hast? Schau dich selbst an! Hast auf dem Kopf ein Nest groß wie von einem Storch… – Sein plötzliches, durchdringendes Lachen hat mich nicht ergötzt, steigerte eher meine Wut. Und er, an herzlosen Worten würgend, setzte fort. – Du verschließt sich hier vor der Welt, gibst niemandem eine Chance, in deine Täglichkeit einzudringen, na, vielleicht außer der Zeit kurz vor der Periode und gleich danach, wenn deine Gier in den Kosmos fliegt. Dann ja, dann rufst du den armen Bonjowi oder den Unbekannten an und spielst auf ihren Instrumenten, pfui… mit ihnen, wie auf Instrumenten…

– Beruhige dich! – schrie ich plötzlich. – Hebe das Bein, damit ich dir die Schuhe abnehmen kann. Robert, hebe das Bein! – Er jedoch, ohne zu beachten, dass ich ihn ins Bett schiebe, fasste mich an der Bluse.

– Du warst laufen – sagte er unerwartet. – Wolltest den ganzen Gestank der Sehnsucht weglaufen? Es ist nicht möglich, Kleine, es wird nicht gehen, weil du süchtig nach dem Leiden geworden bist, süchtig an denken ans Leiden, wie ein Junkie bist, wie… wie ich heute: volltrunken, besoffen, einfach stinkvoll. – Er lachte wieder. Ich bedeckte ihn mit einer Decke, öffnete das Fenster und latschte ins Bad, um eine große Schüssel zu bringen. Nach Alkohol Robert erbricht oft, als wenn er schnellst möglichst das, was ihm nicht gut tut, loswerden möchte.

 

Beim Herausgehen aus dem Bad erblickte ich im Spiegel das Gesicht einer vom Leben besudelten Frau. Meine Haare riefen tatsächlich nach Gnade, der mit Trauer getränkte Blick reichte nicht weiter als das eingebildete Bild der Realität. Zu trockene Lippen verlieren ihre Üppigkeit. Nein, ich joggte nicht und vielleicht schade, weil dann würde die Haut etwas Glanz und Rosigkeit bekommen. Sucht und verdammter Kraftmangel, sich aus diesem Gedanken-Amok herauszureißen – was kann eine verwundete Frau zur erneuten Öffnung dem Leben gegenüber überzeugen? Die Liebe verleiht nicht nur Flügel, Liebe verwundet, Sehnsucht verwundet, eine unendlich große Leere drückt und verhindert freien Sauerstofffluss. Und ehe du dich versiehst, vergehen Tage, Wochen und Monate. Und wenn der Schmerz nachlässt, bist du gewöhnt, an den – es könnte scheinen – Einzigen, den du lieben kannst, zu denken. So sehr gewöhnt, dass du nicht willst, bewusst nicht willst, es zu lassen. Statt zu gehen und ein neues, vom Leben serviertes Gericht zu schmecken, isst du lieber die vertrockneten Sprossen, die nie genug gewachsen sind, um ihre Saftigkeit zu fühlen. Du läufst nach der Arbeit nach Hause, um sich in den mit Hoffnung getränkten Wänden zu verschließen, weil die Hoffnung doch als letzte stirbt. Und auch, wenn sie im Sterben liegt, bist du imstande, sie mit den Resten der Erinnerungen zu beleben, Erinnerungen, die schon mit Imaginationen, die dir so real zu sein scheinen, gefärbt sind. Dein Gehirn nimmt an, dass er dich erneut liebt, weil du imstande bist, dein Gehirn zu  bearbeiten, ihn zu betrügen.

 

Hm, während ich versuchte, die unbändigen Haarsträhnen zu ordnen, hörte ich einen Krach.

– Verdammt, Robert, zurück aufs Bett!

– Ich muss kotzen. – Ich hielt seinen Kopf, wischte vom Bart Schleimreste, die er nach einem Augenblick sich selbst abwischte.

– Siehst du, Wioletta, so endet ein Mensch, der versucht, seinen Kummer im Alkohol zu ertränken. So sehen sowohl ich als auch du aus, obwohl du dich mit Gedanken betrinkst und denkst, dass es dir besser geht, weil du nicht erbrichst. Aber nicht, meine Liebe, sehe mich nicht so mitleidsvoll an, weil ich duschen werde und mir diese Dummheit verzeihen werde, du jedoch, sich an Ivy erinnernd, dich weiterhin verletzen wirst. Ich werde nüchtern und du noch lange nicht. – Und so schlief er auf meinen Knien, in denen ich keine Stabilität fühlte, ein.

 

Leise lehnte ich die Tür an und ging duschen. Ich wusch von mir keinen Dreck, keinen Schweiß, sondern unausgesprochene Worte, auf die ich warte, warte, dass Ivy sie an mich richtet. Ich wusch die Berührung, die ich nie fühlte, Trauer, der mich begleitete, als das Wochenende zu Ende ging, Daten vergingen, die ich nicht mit Lebensfreude füllen konnte, ab. Obwohl die Worte von Robert mit Alkohol durchtränkt waren, weiß ich, dass sie Sinn hatten und begründet gegen mich gerichtet wurden. Wenn wir uns an einen Partner, der wegging, erinnern, an den Schmerz erinnern, verstärken wir den Schmerz und den Schmerz im Geist beibehaltend, erlauben wir erneut, uns zu verletzen, erneut und erneut.

Wir müssen daran denken, dass der Traum, dass jemand dich an sich drückt, dich liebt oder sich bei dir entschuldigt, damit endet, dass das Gehirn es wie eine echte Situation, wie Realität wahrnimmt. Du fühlst dich gut, weil das Niveau des Oxytocins und des Glückshormons steigt. Es ist wie mit der Masturbation – bei dem Menschen genügen Gedanken, um einen Orgasmus zu erreichen. Oder wie mit der Zitrone – schon der bloße Anblick kann vermehrten Speichelfluss verursachen. Etwas wurde im Gedächtnis gespeichert und der geringste Reiz erlaubt die Rückkehr zu alten Erlebnissen, sogar den eingebildeten. Aber auch, wenn du dich an Streit, eigene Tränen, bittere Worte, erinnerst nimmt es dein Gehirn als eine gegenwärtige Situation wahr – obwohl es nur einen Erinnerung, ein Gedanke ist. Vielleicht ist es einen Versuch wert, keine Erinnerungen daran, was uns verletzte, zu provozieren und zu Beginn aus der nächsten Umgebung alle äußeren Reize, die die Vergangenheit wiederbringen, zu entfernen?

 

Noch triefend nass begann ich Dateien mit melancholischen Aufnahmen und alle Nachrichten zu löschen. Es schmerzte. Lange hielt ich den Finger auf der Delete-Taste, ich riss mich jedoch zusammen und auch die Datei „Ivy-Fotos“ landete im Abfallkorb.

Irgendwann werde ich sicherlich bereit sein, die Zukunft aus einer anderen Perspektive zu sehen, um zu ihr zurückzukehren.

Wioletta K.

(Klinicka)

Übersetzung aus dem Polnischen ins Deutsche: Tubo tłumaczeni; Paweł, Trier 2018.

Polnische Version:

Wspominając byłego, wciąż będziesz siebie krzywdzić! – Jak zapomnieć o miłości?

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