Liebe auf einer Liege (1.5) über Zwiespälte eines Singles

Menschen, die glauben, dass alles etwas dient, sind possierlich. Ihnen passiert etwas Schlechtes und sie sind dankbar dafür. Man kann sie vielleicht um eins beneiden: sie schlafen gesund und wenn um sechs Uhr der Wecker klingelt, haben sie klaren Kopf. Heute war ich beim Weiten nicht ausgeschlafen.

– Treten Sie ein. – Ich versuchte das Zittern in meiner Stimme zu unterdrücken, jedoch nur eine wenig intelligente Person hätte nicht bemerkt, dass ich von der ersten Silbe die Distanz vergrößerte.

– Danke – antwortete sie. Sie setzte sich und scannte mein Gedächtnis mit eiskaltem Blick nur, um mir zuvorzukommen. – Wollen Sie unsere Zusammenarbeit beenden? – fragte sie, meine Miene beobachtend. – Ich werde es verstehen – gab sie dazu und verstummte.

– Ich glaube, dass ich so machen sollte. – Ich wollte entschieden wirken, aber als ich sie so anschaute, ihr Interesse an mir, an meiner Person bemerkte, begann ich an meinen sorgfältig vorbereiteten Monolog zu glauben. – Nicht, weil wir zusammen gereinigt haben, sondern… – Ich sprach durcheinander, wusste nicht, wie ich daraus herauskommen sollte.

Seit einem Jahr hatte ich keine Patientin, die bei mir solche Gefühle hervorgerufen hat. Es ist so unethisch… Ich sollte sie entschieden wegschicken, ohne Erklärungen, ich war jedoch dazu nicht imstande, ich konnte den Gedanken nicht beenden, geschweige, alles in Worte zu fassen.

– Ich weiß, dass meine Geschichte Sie unangenehm berührt hat. Ich bin zu spät darauf gekommen, was zu sehr mit mir selbst beschäftigt.

– Darin besteht eine Sitzung – sagte ich endlich etwas Logisches.

– Sitzung vielleicht ja, aber Sie waren schon nach der Arbeit und wir begannen uns nur wegen einer Umgangsform, die ein Patienten-Therapeuten-Verhältnis vortäuschen sollte, nicht zu duzen. Entschuldigen Sie bitte, aber Sie haben völlig Recht. Es sollte die letzte Sitzung sein. Und wahrscheinlich wird es so sein. Vielleicht fahren wir beide sogar in den Urlaub, natürlich nicht gemeinsam. – Sie lächelte und wir brauchten beide dieses Lächeln, weil es magisch die Atmosphäre gelockert hat.

Ein Wort, ein Blick genügte, und ich begann, sie mit Interesse zu hören, die Wut abwies. Grund dafür war vielleicht mein knochenmarktiefer Egoismus – wenn ich sie zum letzten Mal sehen sollte, wollte ich, dass sich das erfüllt, wofür sie auf meinem Wege erschien. Ich lasse sie über ihr Leid erzählen, dafür werde ich wissen – und sich daran berauschen – dass Frauen, die Ehemänner verführen, auch leiden. Vielleicht war es jedoch kein Egoismus, sondern Mitleid. Ich weiß ja doch genau, das man einen Ehemann nicht gegen seinen Willen verführen kann – er war sich dessen bewusst, dass er Familie hat und sich doch entschieden. Es gibt hier keine Opfer, es gibt nur offene Tore, die man passiert oder nicht.

– Ehe ich hinausgehe – riss sie mich aus der Lethargie – überlegen Sie sich, dass es kontrollierten und nichtkontrollierten Betrug gibt. Der aus Mangel am Sex oder der Gefühle in der Beziehung, manchmal aus einer Laune, resultiert. Die Wissenschaftler haben sogar bewiesen, dass dafür ein Gen verantwortlich ist. Es gibt Männer und Frauen, die betrügen. Einige betrügen nur in der Vorstellung, andere machen es in der Realität. Die Einen meinen nach dem Betrug, dass eie sine Dummheit begangen haben, die Anderen nicht, jedoch beide bleiben in alten Verhältnissen – Manche denken manchmal an die flüchtige Affäre, Manche radieren sie aus dem Gedächtnis aus. Einige Menschen verbergen den Betrug bis zum Ende des Lebens, einige sagen ihrem Partner darüber – manchmal nicht ahnend, dass er es gar nicht wissen wollte. Der Betrügende, wenn er erwischt wird, argumentiert meistens banal, verteidigt sich vor der Anklage, nicht selten klagt die treue Partei an, sie sei an seinen Taten schuld. Ich dachte lange daran und überlegte sogar, wie es dazu kam, dass der Mensch sich in Eheschwüre verwickeln konnte. Liegt Monogamie in unserer Natur? Die Antwort darauf ist immer subjektiv und hängt davon ab, ob wir betrügen oder betrogen werden. Was, wenn der Betrug nicht nur sexuell ist, sondern ein neues Gefühlt erzeugt, das sich zu einer anderen Person richtet? Was ist mit dieser Liebe? Ich weiß nicht wie Sie, aber persönlich denke ich mir, dass wenn man heiratet, sollte man voll bewusst sein, was man tut. Es sollte nicht nur eine Unterschriftlegung sein, ich möchte sogar behaupten, dass eine Ehe und Zeugung von Kindern bis zum dreißigstem Lebensjahr verboten sein sollten, falls es etwas ändern sollte. Naja, etwas vielleicht. Und auf jedem Fall sollte es vor der Eheschließung eine vierjährige Probezeit geben. Es ist die Zeit blinden Verliebt Seins, in der wir bereit sind, beim Partners Sachen zu akzeptieren, die uns im fünften Jahr nicht mehr gefallen. Was aber die Unterschrift auf der Eheurkunde angeht, sollte der Priester oder der Beamte eindeutig sagen, dass die Ehe eine schwere Arbeit ist, ermüdende Arbeit, die man sogar an Samstagen und Sonntagen ausführt und von der man keinen Urlaub nehmen kann. Es ist kein Idyll, sondern Schwerarbeit. Naja, wenn wir aber davon bei der Eheschließung wussten, gäbe es vielleicht heute die Menschen nicht mehr.

Ich lächelte sie an und bejahte.

– Nur noch eins – sagte sie und stand auf. – Zu meinem Glück hat er selbst entschieden, mit wem er sein möchte. Und dafür bin ich ihm dankbar. Meine Gefühle werden erlöschen und sie haben die Möglichkeit, ihr Verhältnis zu stärken. Wenn sie sich nicht mehr beschuldigen und bewusst an ihrem Verhältnis arbeiten wollen werden. Wenn sie es nur wollen werden. Und wenn nicht, sollen sie sich trennen, das Gefängnis, das sie sich selbst aufbauen, verlassen und sollen sie glücklich werden – alle.

Ich kehrte spät nach Hause zurück – ich wanderte barfuß im Park und meditierte. Später zog ich auf dreckige Füße die Pantoffeln an und spazierte zusammen mit unbekannten Menschen. Einige liefen schweigsam wie ich, andere lachten, noch andere schmusten, es gab auch solche, die scheinbar zusammen, jedoch in Wirklichkeit getrennt liefen. Ich hielt vor einem Kaffee an und bestellte ein Glas Sekt – es gab keinen, ich trank also mit Milchkaffee auf den Anfang von etwas Neuem. Ich wußte noch nicht, ob es nicht zu spät ist, falls es sich jedoch erweisen sollte, dass nicht, werde ich Plan B wählen und versuche, nicht mehr zu klagen. Solange man eine Notlösung hat und man sie zu nutzen weißt – was will man mehr?

Ehe ich die Schlüssel fand, hörte ich das Knirschen des Schlosses. Mein Herz stand für einen Augenblick still. Keine Ahnung warum, mein Mann kannte meine Pläne nicht, trotzdem fühlte ich mich wie ein Kind, dem das verärgerte Elternteil die Tür aufmacht. Ich bewegte den Blick von der offenen Handtasche nach oben und da stand er, bewegungslos, wartend und schaute mich so an, wie er vor zwanzig Jahren machte (vielleicht habe ich es erst jetzt bemerkt). Er musste nichts sagen, ich wußte, dass er sich Sorgen um mich gemacht hat, dass er sich mit Liebe überfüllt Sorge gemacht hat. In Entschuldigung für so späte Rückkehr nach Hause und in sein Herz schmiegte ich mich an ihn und fühlte, wie die Konturen der Gleichgültigkeit, mit Hilfe welcher ich mich von ihm und anderen, mir nahen Menschen abgrenzte, zerbersten.

Eigenartig, aber beim Frühstück haben alle, nach einem Jahr, die Stimmen, sogar das Lachen, wiedergewonnen. Keine Ahnung, ob es die Sonne, meine strahlende Miene oder für die Strafaufhebung dankbaren Augen meines Mannes, verursacht hat. Als er mir Kaffee eingoss, dachte ich an sie.

Vielleicht musste auch sie leiden und auf meine Liege kommen, damit ich etwas verstehen konnte. Vielleicht nicht, aber die wie sehr eine Änderung des Blickwinkels eine Linderung bringen kann, weiß nur jemand, der sich von der Vergangenheit befreit hatte, für den jetzigen Augenblick dankbar ist und mit Glauben in die Zukunft schaut.

Das ist das Ende dieser Geschichte, eine neue kommt bald.

 

  (Ich werde Teil 1 lesen)

Wioletta K. (Klinicka)

Autorin von populärwissenschaftlichen Artikeln, Lehrgängen aus dem Bereich persönlicher Entwicklung, Belletristik, Gedichte und poetischer Prosa über Verhältnisse zwischen Männern und Frauen, Krisen-Coach, Bloggerin und Eigentümerin der Webseite www.oklinicka.com

Übersetzung aus dem Polnischen ins Deutsche: Turbo tłumaczenia; Paweł, Trier 2018.

Polnische Version:

1.5 Miłość na kozetce – o rozterkach singielki

 

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