Liebe auf einer Liege (1.3) über Zwiespälte eines Singles

Die Leute überraschen uns, nicht nur mit Worten, auch mit den Taten. Obwohl viele anders denken, kann man Worte manchmal rückgängig machen. Hm… auch die uns verletzenden Taten können wir wohl erklären. Sie schmerzen, wir behalten sie im Gedächtnis, trotzdem tun wir zumindest so, am häufigsten tun wir so, als wenn wir verzeihen würden. Es gibt aber auch Worte und Taten, die uns Freude bringen – schade, dass wir sie so selten betrachten.

– Könnten wir unsere Sitzung früher haben? – Sie rief mich zwei Tage später an, außer Atem, als wenn sie gerade von der Laufbahn käme. Eigentlich fragte ich sie nie über den Grund ihrer so plötzlichen Entscheidung – vielleicht gewöhnte ich mich schnell an ihr überraschendes Verhalten?

– Warten Sie bitte, ich schaue, ob ich einen freien Termin habe. – Sie beendete den Satz für mich:

– Heute, heute nach dem letzten Klient. Haben Sie wichtige Pläne für heute?

Pläne… Pläne… meine Pläne für heute… Meine Pläne. Die spottende Stimme in meinem Kopf sagte sofort: ja, geehrte Frau, deine Pläne für heute betreffen Abendessen am schweigenden Tisch, weil Zuza wie immer schlechte Laune haben wird, Radek wird sagen, dass alle schon bei einer Party sind und nur er Abendessen mit den Eltern essen muss, und der Mann sie zweideutig anschauen wird, damit sie Radek gehen lässt. Und so wirst du vom Freitagabend bis Sonntag zwischen Küche und Garten tanzen, weil alle Bekannten sich schon daran gewöhnt haben, dass du alle Einladungen abschlägst. Manchmal, als der Mann zum Wochenende-Poker geht, wirst du sein Hemd anziehen, das gleiche, dass er am Freitag in der Arbeit hatte, und wirst dich beim Glas des Roten Trockenen nach ihm sehnen. Du ziehst es aus, ehe er zurückkommt, und am Sonntag wirst du bei der Messe beten, dass dieses Gefühl nie zurückkommt.

– Ich habe keine, Sie können um sechs kommen. – Die Entscheidung ist gefallen.

– Wunderbar, ich kaufe unterwegs etwas zum Essen, stopfen Sie sich also nicht voll – warf sie eilig, um mich nicht protestieren zu lassen. Abendessen mit einem Patienten ist keine gute Idee, weil sie oft die Atmosphäre lockern, die Grenzen verschieben…

Weil sie nicht wusste, was ich mag, kam sie mit einer Riesenmenge Essen, es war jedoch nicht alles… Neben schönen roten Schuhen auf hohen Absätzen stellte sie zwei Eimer ab: einen voll mit Lappen und einen mit Chemie.

– Da bin ich – sagte sie, als ich mir den Mund verdeckte, um nicht loszuprusten. – Lachen Sie, es ist gesund. – Wir lachten den ganzen Abend, kluge Bücher und leere Fensterbretter abstaubend, verharrte Möbel verschiebend. Sie wurde traurig, als sie auf dem Fußboden einen nicht zu versteckenden Kratzer machte.

– Es tut mir sehr leid – sagte sie. – Vielleicht solle ich einen Fachmann bestellen.

– Es ist gut so – antwortete ich.

Als ich den Kratzer anschaute, ging mir über den Kopf, dass es eine Erinnerung an einen der besten Abende des letzten Jahres sein wird. Sie unterbrach die Stille mit ernster Stimme.

– Wissen Sie was? Ich habe mir gerade gedacht, dass jeder einen solchen Kratzer auf seinem perfekten Lebenslauf hat… Meistens verstecken wir ihn, lassen beim Erzählen aus, tarnen die mit seinem Entstehen verbundenes Leid. Wir täuschen vor, dass es ihn nicht gibt und glauben manchmal so stark an diese Lüge, dass nach einem Jahr dieses Ereignis uns als eine Illusion vorkommt. Manchmal ist es jedoch so, dass unerwartet jemand oder etwas, sogar eine unwichtige Situation, uns an diesen Kratzer erinnert, deckt ihn auf, entfernt die darauf aufgeschichtete Heuchelei und wir werden mit dem Schmerz konfrontiert, sind alleine mit der Vergangenheit. Sonderbar, aber das Leid wird dann noch größer. Vielleicht kommt es uns jedoch nur größer vor, weil wir den Kratzer aus einer anderen Perspektive betrachten.

Wir schwiegen, jede in der eigenen Welt versteckt, jede eigene Kratzer anstarrend. Nachdenkliche Vierziger, ein wenig neurotisch, etwas verloren, etwas nach dem Dasein der Irren, der Beurteilungen anderer egal sind – und nach der Lebensfreude, als man zwanzig war, sehnend.

FORTSETZUNG FOLGT                                                (Ich werde Teil 2 lesen)

Wioletta K. (Klinicka)

Autorin von populärwissenschaftlichen Artikeln, Lehrgängen aus dem Bereich persönlicher Entwicklung, Belletristik, Gedichte und poetischer Prosa über Verhältnisse zwischen Männern und Frauen, Krisen-Coach, Bloggerin und Eigentümerin der Webseite www.oklinicka.com

Übersetzung aus dem Polnischen ins Deutsche: Turbo tłumaczenia; Paweł, Trier 2018.

Polnische Version:

3. Miłość na kozetce

 

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