Liebe auf einer Liege (1.2) über Zwiespälte eines Singles

So offen können nur Irre sein. Sie haben keine Angst eliminiert, blockiert, zurückgewiesen zu werden. Sie glauben nicht an soziale Zugehörigkeit. Sie betrachten uns, die Normalen, und denken vielleicht, wie man in einer solchen Heuchelei leben kann, lachen uns ins Gesicht. Und wir denken, dass die Krankheit ihre Gesichter in ein Lächeln verzerrt.

Sie war für mich eine solche Irre. Verrückt sollte jedoch ich sein – ich! Ich – geordnete, katholische Ehefrau, vorbildhafte Mutter, Psychologin, Coach aus eigener Wahl.

– Möchtest mir darüber erzählen? – fragte ich, als sie sich beruhigte.

– Es gibt hier nichts zu erzählen, es ist eine sehr kurze Geschichte, die nie vorkommen sollte. Und wissen Sie, nicht, weil ich nicht mehr mit ihm sein werde, weil ich wiederum anstatt Blumen Bettakrobatik erwartete, weil ich vielleicht so verdammt vom Sex abhängig bin, sondern weil ich mich wie ein Untersuchungsobjekt gefühlt habe. Ich fühlte mich, als wenn der Gott selbst mich einer Prüfung unterzog, als wenn er schaute und wartete, prüfte, was für ein Mensch ich bin, was ich tun werde. Und manchmal, als ich mit Ihm sprach, so, dass niemand hört, hatte ich den Eindruck, einen realen Eindruck, dass er mich auslacht. Er gab mir keine Antwort – er lachte nur, lachte und schwieg. Nur manchmal vielleicht hörte ich im Kopf einen Satz von ihm: In was hast du dich wieder hineinziehen lassen?

Sie stand vom Sessel auf, plötzlich sehr stolz und gestreckt, als wenn vor einigen Augenblicken jemand anders auf mein Parkett herabsank und dort von Verzweiflung in Ohnmacht fiel. Ich hätte nicht den Mut, ihre Hand zu berühren, von dem Halten ihres Gesichts in meinen Händen nicht zu sprechen. Unter dem Einfluss einer mir unbekannten Kraft richtete sich ihre zusammengekauerte Seele auf und umhüllte sie mit dem Potential einer Kämpferin. Scheinbar typisches Schutzverhalten, von dem ich in den Nachschlagwerken gelesen habe, zu denen ich seit dem Studium nicht zurückkehren musste. Ich wusste, dass sie nie mein Sprechzimmer mit einem geliehenem, vollgerotztem Taschentuch verlassen wird.

– Haben Sie alle diese Bücher gelesen? – fragte sie, ehe ich beendete, sie zu analysieren.

– Vor langer Zeit…

Sie unterbrach mich.

– Naja, konnte es mir denken, sie sind so verstaubt. – Sie drehte sich um und schaute mir überraschend direkt ins Gesicht, als wenn sie mir des größte Geheimnis verraten wollte. – In Ihrem Haus gibt es keinen Staub, der älter als ein Nachmittag und eine Nacht ist. Warum hier? Ist das Ihr Refugium?

– Ich… mir… ich arbeite bis spät und… – Unglaublich, aber ich hatte in Reichweite meines Geistes keine sinnvolle Antwort. Weil ich keinen Satz zurechtlegen konnte, starrte ich mit meinen sorgfältig gemalten Augen in das verdammte Regal und versuchte eilig, mich zu erinnern, was man tun soll, wenn der Klient während der Sitzung die Initiative übernimmt.

Vor den Augen erschien mir das Bild meines lachenden Professors, der uns über Fehler, die praktizierende Psychologen und Psychiater begehen, erzählte, darüber, wie oft sie – unbewusst, aber trotzdem – die Patienten zu Reinigung eigener Gedächtnisse ausnutzen; uns erzählte, dass letztendlich wir, die Psychologen, die größten Irren dieser Welt werden – außer, wenn wir wissen, wie man sich an eine Sitzung vorbereitet und sich danach entsprechend reinigt. Vielleicht ein Arzt von Tausend kann die Reinigungswerkzeuge nutzen – insbesondere Meditation. Ich meditierte seit einem Jahr nicht, seit dem verdammten Montag, als ich an das Telefon meines Mannes ging.

– Seit einem Jahr habe ich niemanden, der um Ordnung in meinem Sprechzimmer sorgen würde. – So lautete meine Antwort.

– Vielleicht werden wir es irgendwann zusammen machen. – Sie lächelte mich warm an, als wenn sie verstehen würde, und plötzlich Mitleid mit mir fühlte. – Heute muss ich jedoch schon gehen, ich habe eine Verabredung. Als sie die Tür schloss, kehrte sie zurück und sagte: – Schade, dass sie meine Psychologin sind, weil ich Sie zu einem Drink entführen würde.

Ich machte mir selbst einen. Den ersten trank ich ex, beim zweiten legte ich mich auf die Liege und begann zu überlegen, wer der Kerl ist, den sie heute erwähnte, und mit dem sie nicht zusammen sein kann, und in welchem Verhältnis zum Gott eine so zügellose Frau, die ohne Umschweife von sich sagt, dass vom Sex abhängig ist, sein kann? Dass sie vielleicht abhängig ist.

FORTSETZUNG FOLGT                                                                                (Ich werde Teil 1 lesen)

 

Wioletta K. (Klinicka)

Autorin von populärwissenschaftlichen Artikeln, Lehrgängen aus dem Bereich persönlicher Entwicklung, Belletristik, Gedichte und poetischer Prosa über Verhältnisse zwischen Männern und Frauen, Krisen-Coach, Bloggerin und Eigentümerin der Webseite www.oklinicka.com

Übersetzung aus dem Polnischen ins Deutsche: Turbo tłumaczenia; Paweł, Trier 2018.

Polnische Version:

2. Miłość na kozetce

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